Unsere Kursfahrt :-) 0

Jul19

Sonntag 9. Juli 2006

Unser erster Tag begann schon recht früh, denn kurz nach 6 Uhr am Morgen lud Herr Schreiter zum gemeinsamen ICE-Fahren ein. Dabei durfte man nicht vergessen, dass heute Sonntag war – naja, wenigstens waren die Straßen leer. Trotz der allgemeinen Verschlafenheit war eine gute Stimmung. Nach ein paar Begrüßungen machten wir uns dann auf den Weg zu unserem Abteil (irgendwie so was in die 20) – auf jeden Fall war es schon so lange hinzulaufen, dass einige dachten, wir wandern nach München. Aber schließlich fuhren wir dann lieber – jeder hatte seinen Platz eingenommen, da ging es auch schon los: Was hast du so mit? Wie viel hast du davon mit? Mist, das hab ich vergessen! Aber da wir ja eine große Gemeinschaft sind, sollte doch wohl jedem geholfen werden. Nun gut, einige nutzten die Zugfahrt zum Schlafen, andere wiederum spielten Karten und auch das Musikhören kam allgemein nicht zu knapp. Trotz aller Vorfreude war eine gewisse Unsicherheit über die Wanderung zu spüren. Schließlich war das für den Großteil des Kurses die erste größere Tour durch die Berge. Nach ein paar Stunden kamen wir dann schließlich in München an. Viel vom Bahnhof haben wir aber nicht gesehen, denn unser Anschlusszug stand schon bereit. Der Zug der Italienischen Staatsbahn war das absolute Gegenteil zum ICE, er war alt und sah aus, als ob er bereits zu Kriegzeiten unterwegs war. Gerade die Sitze waren echt gewöhnungsbedürftig, besonders als man da auch noch lange, offensichtlich weibliche Haare fand. Einige nutzten diese Sitze um sich daraus einen Liegewiese zum formen (man konnte sie soweit herunterschieben). Trotz allem brachte uns der Zug sicher über die Grenze ins bergige Österreich. In Jenbach verließen wir ihn dann schließlich, um in einen Bus der Zillertaler-Bahn umzusteigen. Der Bus fuhr ungefähr eine halbe Stunde, also genau genug Zeit um sich so richtig einzustimmen. Dankbarerweise brachte er uns bis an eine Alm unterhalb unseres Aufstieges, sodass wir uns den langen mühsamen Weg auf der asphaltierten Speicherseestraße sparen konnten. Direkt am Ende des Speicher, am Fuße unseres Aufstieges, lag die Alm, an der noch mal ein „Pitstop“ gemacht wurde. Dann wurden die letzten Rücksäcke zurechtgerückt und die Schuhe ein erstes Mal richtig fest geschnürt. Nun ging es endlich los, aber Pustekuchen, nach ein paar Metern schon wieder die erste Pause – Fotopause – na ja gut ist ja auch wichtig, man will ja schließlich der Nachwelt auch noch von unserer Wanderung berichten. Als wir dann wirklich richtig ins Laufen kamen, fing es immer wieder an zu tropfen, sodass einige ihre Rucksäcke mit einer Regenhülle schützten. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Mit der Zeit kristallisierten sich nun „Grüppchen“ heraus, die unter anderem weiter hinten liefen oder die Spitze bilden sollten. Herr Schreiter nahm sich dabei dem Ende unseres Feldes an, ganz Gentleman. Bald darauf wurde dann erneut Pause gemacht, was aber nicht schlimm war, schließlich wollte man ja zusammen laufen und wollte nicht, dass die einen von oben herunterwinken, während die anderen noch weiter „unten“ schwitzen.Nach mehreren Stunden hatten wir dann unser Ziel erreicht: Die über 2200 m gelegene Zittauer Hütte. Der Hüttenwirt zeigte uns dann sofort unsere Lager, wir hatten ein „Lehrerlager“, ein reines Frauenlager und ein gemischtes Lager, in dem wahrscheinlich die meiste Stimmung war. Nachdem alle ihre Schlaflager bezogen hatten, ging es erst mal duschen (wir hatten in dieser Hütte eine Dusche, in der gegen Bezahlung auch warmes Wasser zu bekommen war), aber auch der See vor der Hütte lud zu einem Besuch ein, dies nutzte aber nur einer. Alsbald trafen wir im Gastraum zusammen. Ein ordentliches Abendessen veredelte unseren ersten Tag. Es war allgemein ein guter Hunger zu verzeichnen (bestimmt wegen des anstrengenden Aufstieges). Da ja an diesem Tag WM-Finale war, wurde im Nebenzimmer ein Radio angeschaltet, aber bis zum Elfmeterschießen hat niemand durchgehalten. Ansonsten wurde viel Karten gespielt bzw. die „Chefs“ planten die Tour für den nächsten Tag. Einige waren aber bereits früh müde und gingen schon nach dem Essen schlafen – Schonen für morgen.

Montag 10. Juli 2006

Die erste Nacht lag hinter uns, alle hatten gut geschlafen, zumindest beschwerte sich keiner. Nach einem ordentlichen Frühstück, was die Rücksäcke natürlich auch wieder minimal erleichterte, begannen wir selbige zu packen, damit wir uns auf den Weg machen konnten. Vorher mussten wir natürlich noch bezahlen, ist ja klar, aber der freundliche Hüttenwart berechnete uns allen den Alpenvereinsmitglieds-Preis. Damit hatten wir also schon das erste Mal gut gespart, es wird doch sicher eine Gelegenheit kommen, in der wir unser Gespartes investieren können (vielleicht auf der nächsten Hütte mal ein Bier mehr oder vielleicht gar mal ein kleines Schnäpschen). Nun gut, es war traumhaftes Wetter, die Sonne strahlte in voller Pracht die umgelegenen Berge an. Schon allein dafür hatte sich die Quälerei von gestern und das frühe Aufstehen von heute gelohnt. Nach letzten Vorbereitungen und Hüttenfotos ging es dann los – Start für unsere zweite Tour. Noch ging es allen prächtig.
Erstaunlicherweise blieb die gesamte Gruppe, mit Ausnahme von drei Jungs, die aufgrund von verzögernder Vorbereitung und einem obligatorischen Hüttenfoto noch ein wenig auf sich warten ließen, geschlossen beisammen. Erst ab der Mitte des ungefähr 500 Höhenmeter langen Anstieges gab Herr Müller die Erlaubnis zur „Flucht nach vorne“. Damit war die traute Gemeinsamkeit schnell verflogen und es kam wieder zur „Rangordnung“. Der Abzweig zu unserem erstes Ziel für heute, dem Roßkopf, immerhin auch 2844 m hoch, ging bereits kurz unterhalb der Scharte ab. Da wir aber sowieso wieder auf diesen Weg herunterkamen, konnten wir erfreulicher Weise die Rucksäcke liegen lassen und mussten sie nicht mit nach oben schleppen. Nur der Fotoapparat und natürlich auch die Mobiltelefone wurden mitgenommen, schließlich musste man der Familie berichten, dass man noch lebt. Wie sich aber herausstellte, hatten wir da oben kaum Empfang. Versüßt wurde uns dieser Gipfel durch ein Gipfelbuch, dass wir alsbald fanden, na also – unser erster Berg war geschafft. Geht doch! Nun also wieder zurück zu unseren Rucksäcken und weiter im Plan. Da die Scharte nun nicht mehr weit entfernt lag, hatten wir nur noch wenig Weg bergauf zurückzulegen. Der erste Abstieg begann spektakulär: zuerst ging es recht steil auf schotterähnlichen Boden bergab, wobei man mit einem festen, sicheren Tritt durchaus im Vorteil war, anschließend querten wir ein Schneefeld. In der Folge wurde deutlich, dass Herr Schreiter und Martin deutlich langsamer vorankamen als die wandelnde Meute. Als schließlich der Chef ungewöhnlicher Weise mit zwei Rucksäcken auf dem Leib gesichtet wurde, beschloss Herr Müller eine Pause einzuschieben, um auf die beiden zu warten. Wie sich herausstellte hatte Martin Probleme mit sich und der Umgebung und damit er wieder einigermaßen auf die Beine kommen konnte, war eine längere Pause unausweichlich. Da wir uns aber einen Fleck ausgesucht hatten, an dem man uns schön von der Sonne bräunen lassen konnten, wurde das natürlich mit Begeisterung aufgenommen, schließlich weiß man im Gebirge nie, wie lange das Wetter hält. Außerdem war jetzt Mittagszeit, das bedeutet Rucksack auf – Essen und somit Gewicht raus. Ivan nutzte die etwas längere Pause, um sich ein Süppchen zu machen. Auch die beiden Wanderleiter nutzten die Zeit, um sich einen Kaffee zu kochen, auf 2500 m schmeckt der einfach doppelt so gut, wie im Tal. Nach ungefähr einer halben Stunde, die Martin zum Schlafen nutzte, ging es dann weiter, doch zu lange sollten wir auch wieder nicht laufen, denn ein Bergsee, der durch die Sonne prächtig in Szene gesetzt wurde, lud zur erneuten Pause ein. Aber wieder nur einfach so rumzusitzen wäre doch wohl zu langweilig, also warum nicht mal in den See springen, ein bisschen erfrischen. Gesagt, getan. Aber auch die Wasserscheuen nutzten die Gelegenheit, um zumindest die Füße zu lüften und in den See zu hängen. Außerdem konnte man unsere nächste Hütte bereits von weiten sehen, das hob natürlich die Gelassenheit an. Als erstes sprangen mit Lydia und Sarah zwei Frauen in den See, aber auch Vier der männliche Gilde sollte folgen, also insgesamt sechs Tapfere trauten sich ins kalte Nasse. Nach dieser Erfrischung ging es dann also weiter, nur ein kurzes Stück abwärts, bevor wir dann noch einmal Höhenmeter machen mussten, sozusagen der Schlusssprint. Auf einem Plateau lag auf 2374 m die Richterhütte, unsere zweite Hütte. Diese war mit Abstand am urigsten, man merkte, dass sie schon fast 80 Jahre stand. Auch in der Einrichtung der Waschmöglichkeiten wurde daran erinnert. Aber zuerst bekamen wir zwei Lager zugewiesen, dabei kamen in ein Kleineres die Lehrerschaft und die Schüler, die in das andere (ein großes Lager) nicht mehr hineinpassten. Unsere Lager waren ganz oben und nur durch eine Treppe zu erreichen, die ähnlich steil wie alt war. Als sich die Frauen dann waschen gehen wollten, bemerkten sie die Überraschung. Der Waschraum, das waren zwei Waschbecken mitten auf dem Gang, eins davon hatte sogar einen Vorhang. An warmes Wasser war natürlich nicht zu denken. Zum Glück gab es nahegelegen noch einen Fluss, so dass sich nicht alle an diese beiden Waschbecken drängen mussten. Wer weiß wie gründlich sich da überhaupt gewaschen wurde. Aber die Sachen, die wir teilweise aufgrund der Auslastung des Trockenraumes im Lager aufhängen mussten, überdeckten eventuelle Sünder. Auf jeden Fall gab es wieder ein wunderbares Essen, sodass alle satt wurden.Wie versprochen wurde das Geld, was früh noch gespart wurde, in die österreichische Wirtschaft gesteckt, nämlich in Genussmittel investiert. Dabei gab es auf den Tischen einen bunten Mix zu sehen, Wein, Bier, Radler und kleine Schnäpse kamen zum Schluss auch noch. Dabei wurde wieder kräftig gespielt. Diesmal beteiligten sich auch alle daran und während an dem einen Tisch gepokert wurde, gab es auf dem anderen UNO zu sehen, doch der Großteil versammelte sich zum Schummel-Max spielen. Dabei kam so gute Stimmung auf, dass bis spät in den Abend gesessen wurde und auch im Lager erst langsam Ruhe einkehrte, sodass sich sogar die „Mitbewohner“ beschwerten. Somit wurde es dann irgendwann doch ruhig, schließlich hatten wir ja zwei Nächte in dieser Hütte geplant und wollten nicht draußen schlafen müssen.

Dienstag 11. Juli 2006

Der nächste Morgen begann wie der vorherige, strahlender Sonneschein und tiefblauer Himmel. Alle hatten mehr oder weniger gut geschlafen, schließlich war es aufgrund des begrenzten Schlafraumes sehr kuschelig geworden. Mittlerweile hatten auch alle mitbekommen, dass sich die Italiener den WM-Titel geholt hatten (das sind die Petzen, die uns im Halbfinale rausgehauen haben), aber Freude schien das bei keinem so richtig auszulösen. Nun gut, nach einem ordentlichen Frühstück ging es an den heutigen Tag. Geplant war eine Gipfelerklimmung, die uns bezeichnender Weise auf exakt die selbe Höhe bringen sollte, wie wir sie gestern schon erklettert hatten. Da wir ja noch ein zweites Mal auf der Hütte übernachteten, brauchten wir praktischerweise das schwere Gepäck heute nicht mitzunehmen, sondern konnten es vor sich hinvegetieren lassen. Nur vereinzelte Rucksäcke mit kleinen, aber wichtigen Essens- und Getränkevorräten wurden mit nach oben getragen.
Wie sich früh herausstellte, war der Anstieg mehr als ein gemütlicher Guten-Morgen-Lauf, denn bereits deutlich vor der Scharte ging unser Weg in Richtung Gipfel ab. Von diesem Moment an wurde er auch sofort steiler und auch steiniger. Am Gipfel angekommen stellten wir fest, dass sich selbiger ausgezeichnet für eine längere Pause eignete, da neben der fantastischen Aussicht und der traumhaftschönen Sonne der Gipfel aus zwei Teilen bestand, auf der einen Seite ein Plateau und dann auf der anderen die kleine, aber feine Gipfelerhebung selbst. Auf dem Plateau wurde entweder Karten gespielt, oder man ließ sich, einfach nur faul rumlungernd, von der Sonne wärmen. Auf dem Gipfel versuchten die Restlichen verzweifelt ein Handynetz zu bekommen und tatsächlich, es funktionierte teilweise auch. Ein Gipfelbuch war diesmal aber leider nicht vorhanden und auch das Gipfelkreuz scheint einer unserer Vorgänger mit ins Tal genommen zu haben, schade eigentlich, so hatten wir doch gar keinen Beweis, dass wir erneut einen hohen Berg erledigt hatten. Beim Abstieg entschied sich Marlene dann dem Berg einen Teil ihrer Kopfhaut „dazulassen“ und trug folgerichtig eine kleine, oder eher besser gesagt, eine mittelgroße Wunde davon. Abgesehen von diesem Vorfall verlief der Abstieg nun fast schon routinemäßig einfach, so einfach, dass einige für heute überhaupt nicht ausgelastet waren. Da in der Nähe noch ein Berg der „Über-3000er“ war, also eine Höhe, die vorher mit Schülern noch nie gemacht wurde, war nun heute noch ein weiteres Ziel in unser Visier gerückt. Vorher gab es aber erst einmal eine deftige Mittagsmahlzeit, schließlich sind ja insgesamt 1400 Höhenmeter kein Pappenstiel. Es stellte sich früh heraus, dass nur noch ein kleinerer Kreis unserer Runde in der Lage war, diesen Berg zu meistern bzw. manche hatten auch einfach keine Lust oder wollten mal so richtig ausspannen. So gegen 13 Uhr setzten wir dann unseren kleinen Verdauungsspaziergang an. Die „An-der-Hütte-Gebliebenen“ beschäftigten sich entweder mit mitgebrachten Büchern oder ruhten sich in einem kleinen Schläfchen so richtig aus. Auch diesmal begann die Steigung unseres Weges recht gemächlich, doch mit zunehmender Einlaufzeit steigerte sich auch die Hangneigung. Bald erblickten wir ein Schneefeld, das wir vorerst noch querten, beim Abstieg aber dann als Abkürzung nutzen sollten. Ein zweites und drittes Feld trennte uns noch von der Scharte, die kurz unterhalb des Gipfels lag. Nun zeigte sich die besondere Schwierigkeit des 3000ers, denn wir mussten die letzten Höhenmeter über eine Art Klettersteig meistern. Doch alle kamen heil oben an, sodass Herr Schreiter auf diesem gelungenen (mit Schüler höchsten) Berg eine Runde Gipfeltrunk spendierte. Zur besonderen Unterhaltung trug ein Hubschrauber bei, der, wie auf Bestellung, unter uns die Scharte passierte. Ein atemberaubendes Erlaubnis für jeden. Diesmal konnten wir uns sogar wieder in einem Gipfelbuch verewigen und auch das Gipfelkreuz war diesmal am rechten Fleck geblieben. Auf Grund des im Gebirge immer möglichen raschen Wetterumschwungs und des aufkommenden Hungers, entschlossen wir uns alsbald wieder aufzubrechen. Herr Müller machte schnell noch ein Gipfelfoto, damit wir den „An-der-Hütte-Gebliebenen“ zeigen konnten, was sie verpasst hatten. Der Abstieg begann recht spektakulär, denn nach dem „Klettersteig rückwärts“ wollten wir ja ein Schneefeld herabrutschen, doch es schien doch etwas zu steil dafür zu sein. Also holte Herr Müller ein Seil aus seinem Rucksack, damit wir uns daran bis zur Hälfte herunterlassen konnten. Das letzte Stück konnte man mit tiefen, festen Schritten gut bewältigen. Nasse Schuhe bekamen wir trotzdem. Als wir die Schuhe gerade wieder einigermaßen trocken gelaufen hatten, sahen wir schon das nächste Feld. Langsam hatten wir Freude dran gefunden, sodass das Dritte zum absoluten „Gaudi-machen“ genutzt wurde. Dabei haben sich die meisten nasse Schuhe geholt, aber auch ein nasses Hinterteil war zu registrieren. Der restliche Abstieg verlief dagegen relativ unspektakulär. An der Hütte wurden wir von den „Fußlahmen“ empfangen und nach einer Waschung gab es auch heute wieder ein vortreffliches Mal. Nun waren wir also auf dem Wendepunkt unserer Tour angekommen: die halbe Kursfahrt war nun vorbei und die folgenden Touren versprachen auch nicht mehr die Steigungen und Anstrengungen der letzten zwei Tage. Ein perfekter Abend also, um das erste Mal zurückzublicken, auf das, was wir doch schon geleistet haben. Man hatte das Gefühl, es handele sich hier um ein Zusammenkommen von guten Freunden, so klasse und ausgeprägt war der Zusammenhalt in der Truppe, und nicht um eine Kursfahrt. Von der, bei solchen Veranstaltungen sonst fast immer eintretenden, Grüppchenbildung blieben wir bisher verschont, was auch schon mal ein schönes Gefühl war. Gefördert wurde dies natürlich durch die unterschiedlichen Leistungen der potenziellen Kandidaten(innen). Der Abend entwickelte sich fast zur alltäglichen Spielhölle, doch irgendwann ist dann nun mal Nachtruhe und wir mussten dies leider beenden. Trotz allem wieder mal ein sehr gelungener Abend. Also ab auf die Zimmer und ruhig und gelassen auf den nächsten Tag vorbereiten.

Mittwoch 12. Juli 2006

Der Tag begann leider nicht so schön wie die vorigen. Dichte Regenwolken tümmelten sich über der Hütte, doch zu Beginn der heutigen Tour, die uns nur ein paar Schritte talabwärts bringen sollte, blieb es trocken. Im Gegensatz zu den Wegen, die wir die letzten Tage beschritten, kam dieser nun folgende, breite Pfad eher einem Oma- als einem Wanderweg gleich. Trotzdem wurde nicht gemeckert sondern artig weitergewandert. Relativ bald entschlossen wir uns doch dann auch für ein Päuschen, schließlich konnte man, mit ein wenig Vorstellungsvermögen, die Hütte bereits erahnen, es war also nicht mehr weit. Neben den üblichen Tätigkeiten während solcher Pausen, also dem Kartenspielen, wurde auch diesmal die Zeit zu relaxen genutzt, man merkte schließlich langsam auch, dass man schon ein paar Tage in den Beinen hatte. Nach fortgeschrittener Zeit machten wir uns dann wieder auf den Weg und noch bevor wir die Hütte erreichten konnten kamen wir in einen leichten Schauer.

An der Hütte angekommen mussten wir unseren Plan für den weiteren Tag erst einmal aufgrund der schlechten Wetterbedingungen verändern. Nun waren also auf einmal ein paar Stunden frei, diese wurden von nicht wenigen zum Schlafen verwendet. Wer nicht schlief, der lag zumindest auf seinem Bett und löste ein paar Sudoku oder hörte einfach nur Musik. Gut regeneriert brachen wir dann so gegen 14.30 Uhr zu einem kleinen Nachmittagsspaziergang zu einer Käserei unterhalb eines nahegelegenen Gletschers auf. Glücklicherweise besserte sich das Wetter nun auch schlagartig, sodass es wieder schöner zu Laufen war, als noch am Vormittag. Leider kam es aufgrund der fehlenden Beanspruchung wieder zur altbekannten Grüppchenbildung. Das war ein wenig schade, wo doch grade die letzten Tage so mustergütig in punkto Kurszusammenhalt waren. Der Weg zog sich dann länger hin, als sich das einige wahrscheinlich erhofft hatten, jedenfalls hörte man nicht nur einmal den Satz, wann wir denn endlich mal da sein würden. Dort angekommen überraschten wir den Hausherrn, der in Unterhosen die Türen öffnete. Nach kurzer Zeit hatte auch er die passende Bekleidung gefunden, sodass er uns wunderbar bewirten konnte. Neben dem Käse, natürlich, war vor allem auch die Buttermilch sehr empfehlenswert, frisch und fast direkt aus der Kuh. Nach der Erstversorgung war dann auch die Möglichkeit, sich hinter den Kulissen die Herstellung des Käse anzuschauen und diesen käuflich zu erwerben. Leider wurde dies auch tatkräftig umgesetzt, leider, da dieser ungefähr genauso gut roch, wie die Wanderschuhe nach den bisherigen vier Tagen Wanderung. Man sagt ja immer „Hauptsache es schmeckt“. Dies traf definitiv zu, so konnte man im Nachhinein auch den Geruch in Kauf nehmen. Nachdem wir ausgezeichnet versorgt und mehr als gestärkt wieder aufbrachen, verließ auch der Senner seine Hütte in Richtung Tal – es war schon ein komischer Mensch. Solche Geschichten schreiben auch nur die Berge. Der Rückweg zur Hütte verlief dann auch viel ruhiger, als es der Hinweg noch mit sich brachte. Zurück an der Hütte verstaute man dann die gekauften Käse einigermaßen geruchssicher, damit es nachts nicht all zu animalisch riechen würde. Danach wurde zum Essen geladen, diesmal hatten wir Halbpension. Nach drei Tagen mal wieder einen festen Essensplan, obwohl man sich doch mittlerweile an das Essen gewöhnt hatte, na ja was solls, geschlemmt haben natürlich trotzdem alle gerne. Während sich nach Beendigung des Festessens die anderen Schüler auf ihre sonstigen Abendbeschäftigungen (Kartenspielen aller Art) konzentrierten, wagte Marc das ganz große Ding und er schaffte es, der erste Schüler, dem es gelungen ist, im Skat gegen die beiden (Mathe)lehrer zu triumphieren. An dieser Stelle wird der Hut gezogen. Ansonsten wurde dieser letzte Abend als solcher auch noch einmal gemeinsam verbracht, jedoch sind auch an diesem Abend alle gesittet und zeitlich geordnet schlafen gegangen. Diesmal hatten wir das „Vergnügen“ alle in einem Lager schlafen zu können, aber das mit „Vergnügen“ war sicherlich für manche eine Definitionsfrage.

Donnerstag 13. Juli 2006

Im Gegensatz zum gestrigen Tag begrüßte uns heute mal wieder die Sonne. Leider ist dies unser letzter Tag, zwar sehnt man sich irgendwie auch mal wieder nach ein wenig Zivilisation, jedoch war die Woche so schön, dass man gerne noch ein paar Tage in dieser Gemeinschaft verbringen würde. Aber na ja, ändern konnte man es ja sowieso nicht, also den Tag noch einmal ausgiebig genießen. Zuerst wurde der hütteneigene Hund noch einmal ausgiebig gestreichelt, bevor dann mit einem Blick auf die Hütte die letzte Tour angetreten wurde. Der Weg veränderte sich anfangs im Vergleich zum gestrigen Tag überhaupt nicht, es ging auf einer Höhe und das eine ganze Weile lang. Also mal wieder Zeit um ein wenig ins Quatschen zu kommen. Neben Kühen sahen wir dann auch endlich das erste Mal Murmeltiere – Dankeschön Lydi fürs Entdecken. Nach 5 Tagen haben wir nun also auch Murmeltiere gesehen, also jetzt konnte man wirklich guten Gewissens aus den Bergen fahren.

Zum Abschluss der Tour bekamen wir aber noch ein ganz besonderes Bonbon geboten. Die weltberühmten Krimmler Wasserfälle – 400 Meter pure Steilheit in der sich das Wasser zu Boden stürzt. Natürlich wurden die Batterien noch einmal reaktiviert, die Kameras in Position gebracht, damit auch die Daheimgebliebenen an dieser Freude teilhaben können. Für Martin war das weniger Freude, denn er entschloss sich kurzer Hand seine Kamera einfach mal von sich zu stoßen. Damit ermöglichte er dieser einen unvergesslichen Ausflug in die Tiefen des Wasserfalls. Na ja gut, auf jeden Fall war sie immerhin näher dran, als jeder andere vor ihr – auf einem Felsblock kurz unterhalb. Spontan musste nun entschieden werden, was wir machen, als erstes wurden die beiden Lehrer informiert. Diese waren darüber natürlich „not amused“. Trotzdem gab Herr Schreiter der ganzen Sache eine Chance, schließlich wollte er nicht nur alle Kinder wieder zu Hause „abgeben“, sondern auch alles was dazu gehört, also kam er erst einmal vor Ort um sich der Sache anzunehmen. Herr Schreiter fand beim Aufsuchen der potenziellen Aufschlagstelle etwas Silbernes im Gras liegen, ein Teil von Martin‘s Kamera. Kühn schwang er sich über die Barriere und konnte sich dieses angeln. Es handelte sich aber nur um die Abdeckung der Kamera. Doch dann blitze es unterhalb der Fundstelle erneut silbern auf – der Rest. Es war aber aufgrund eines starken Gefälles, des nassen Gras und der damit verbundenen Gefahr zu riskant ohne eine Seilsicherung vorzugehen, also musste Herr Müller doch noch einmal seinen Rucksack öffnen. Aber da neben Martin noch Marcus und Alex am „Tatort“ waren, konnte er wenigstens auf reichlich Unterstützung zählen. Mit der Hilfe von Alex‘ Grundkenntnissen im Klettern und ein wenig Zeit wurde Herr Schreiter nun ins Seil „eingebunden“. Vorsichtig und vierfach gesichert (!) wurde er bis an die Kamera herabgelassen, konnte diese aufnehmen und wieder wohlbehalten zurück aufs Plateau geholt werden. Allen fiel ein Stein vom Herzen, Martin wahrscheinlich der größte, stand er doch in der Schuld von Herrn Schreiter. Da die anderen Schüler ja nicht wussten, was 100 Meter über ihnen spektakulär inszeniert wurde, hatten sie natürlich auch nicht angehalten und gewartet. Verzweifelt stellten sie dann aber am Fuß des Wasserfalles fest, dass ja weder Herr Müller noch Herr Schreiter in ihren Reihen waren. Jedoch kein Grund zur Aufregung, da Herr Müller nach kurzer Zeit folgte und die wartende Meute zum Bus geleitete. Herr Schreiter, Martin, Marcus und Alex folgten in einem gebührenden Abstand und hatten, genauso wie die vorauslaufenden, Probleme sich durch die Massen an Touristen durchzukämpfen. Das hatte uns die letzten Tage definitiv nicht gefehlt. Schließlich kamen dann aber alles am Bus an, der etwas unterhalb auf einem Parkplatz auf uns wartete und uns zurück nach Jenbach bringen sollte. Vorher wurden allerdings noch ein paar letzte Fernbilder vom Wasserfall gemacht. Der Bus kam ins Rollen, wir waren am Ende der Wanderung, jedoch noch nicht am Ende der Kursfahrt. Den Weg nach Jenbach nutzte der Großteil, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Nach gut einer halben Stunde waren wir dann in Jenbach, dort wo wir bereits vor einer Woche ausgestiegen sind. Da der Busfahrer gut durchkam, hatten wir noch eine Menge Zeit in Jenbach, als erstes wurde dabei ein Supermarkt aufgesucht und mit dem nötigsten versorgt. Dazu gehörte für den einen eine aktuelle Zeitung, für den anderen eine frische Milch. Im schönen Sonnenschein wurde sich erst am Platz vor dem Supermarkt niedergelassen, danach wurde in Richtung Bahnhof umgesiedelt. Auf dem Bahnhof wurden wir dann mit der Frage konfrontiert, warum man 6 Gleise anlegt, wenn doch nur 2 verwendet werden. Denn im 10-Minuten-Abstand rauschten die Züge ausschließlich an Gleis 2 und 3 an uns vorbei. Unser Zug hatte leider Verspätung, sodass wir es mit dem Anschlusszug knapp werden konnte. So kamen wir also mit der alten Italien-Bahn grade noch pünktlich in München an, mussten trotzdem nach dem ICE rennen, den wir aber bekamen. Natürlich lag unser Abteil ganz vorne und anfangs funktionierte die Klimaanlage nicht – willkommen zurück in der Realität. Bei 34° macht Rennen natürlich auch noch mal doppelt soviel Spaß, so dass wir bis zum Wiederherstellen der Klimaanlage alle rot wie Tomaten glühten. Das tat aber der guten Stimmung keinen Bruch. Die sonst bei Klassenfahrten übliche Ruhe auf der Rückfahrt, die schlafenden Schüler, all das blieb komplett aus. Es dürfte sogar während der ganzen Fahrt niemand eingeschlafen sein – ein Zeichen für die Stimmung in der Truppe. Allgemein wurde viel erzählt, viele Fotos gemacht und das Zusammengehörigkeitsgefühl der letzten Tage gestärkt. Vielleicht war man froh über die Dusche und die anderen Klamotten, von der Atmosphäre der letzten Woche aber haben alle noch Wochen danach geschwärmt oder machen es heute noch. Irgendwie war man dann doch auch traurig, als wir gegen 22.30 Uhr wieder in Leipzig ankamen und jeder seinen Weg ging. Jedoch haben sich auf dieser Kursfahrt neue Freundschaften entwickelt, die sich in der Schönheit und Intension bis heute gehalten haben und hoffentlich ewig halten werden. In dem Sinne – Dankeschön.

Teile und herrsche:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Live
  • MySpace
  • MisterWong
  • Technorati
ähnliche Artikel:

Keine Kommentare

Gib deinen Kommentar dazu ab!

* benötigte Felder

System: Wordpress 2.9.2 | Theme: Modified from FreebiesDock.com

Anmelden