Böses Erwachen auf verwandt.de 1
Auch wenn das Ereignis nun einen guten Monat zurückliegt möchte ich das Thema nicht unangetastet lassen.
Es geht wieder einmal um das Thema Daten im Netz. Diesmal hat mich eine Seite geschockt bei der man auf Basis eines Sozialen Netzwerkes (wen wunderts) einen Familienstammbaum erstellen kann. Die Rede ist von verwandt.de.
Grundsätzlich muss ich – zugegebenermaßen – sagen ist die Idee nicht verkehrt. Ich habe mich selber eine Zeit lang mit dem Thema beschäftigt und somit weiß ich, dass man umso bessere Ergebnisse erzielt, je mehr Leute einem helfen bzw. mitarbeiten. Deshalb ist der Ansatz eines solchen Netzwerkes grundsätzlich nicht verkehrt.
Aber nun genug mit den positiven Worten. Die Art und Weise WIE man das ganze umgesetzt hat ist einfach nur gruselig und von Datenschutz oder Selbstbestimmung weit entfernt.
Um meine persönliche Erfahrung darzulegen: Ich war bei Verwandten zu Besuch und mein Onkel sagte mir, dass er eine tolle neue Seite gefunden hätte, wo man einen Familienstammbaum erstellen kann und dabei mit anderen zusammenarbeiten kann etcpp. Ich mir das also mal angeguckt…Sah auf den ersten Blick auch nicht verkehrt aus. Dann entdeckte ich auch meinen Eintrag und den meiner Eltern. Soweit, so gut. Nach einem Klick auf Details dann aber die Überraschung. Nicht dass da nur unsere Namen standen, womit ich noch hätte leben können, nein auch Geburtsdatum und vollständige Anschrift.
Nun werden sich einige Leute sagen – Was hat der sich denn so, in jedem Telefonbuch steht das selbige. Das ist ja auch grundsätzlich richtig, nur womit ich meine Probleme habe ist die Selbstverständlichkeit mit der andere Leute bei verwandt.de über unbeteiligte Personen schreiben können. Und dabei ist das Geburtsdatum und die Anschrift noch lange nicht das Ende vom Lied. Über Telefonnummer bis zum kompletten Lebenslauf ist es möglich für andere Benutzer ein Profil zu erstellen. Ich meine das kann es doch irgendwo nicht sein, dass sich andere Personen rausnehmen dürfen meinen Lebenslauf zu veröffentlichen.
Das ganze stellt für mich persönlich eine noch größere Verwerflichkeit dar als StudiVZ oä. Zwar kann man das ganze Prozedere von oben auch da durchführen, indem ich einen Fake-Account erstelle, dort ist das ganze aber nicht der normale Weg der Dinge. Bei verwandt.de dagegen ist dies mit fest implementiert.
Ich persönlich habe das Thema mit meinem Onkel besprochen und nun sind die Einträge weg.
Ich kann also nur appelieren: Haltet die Augen auf wo man evtl. mit euren Daten rumspringt.
Achja: Und dass sich Verstorbene nicht beschweren können wenn sie damit nicht einverstanden wären, dass sie irgendwo im Internet mit sonstwas für Daten verzeichnet sind macht die ganze Sache auch nicht einfacher. Und wie verwandt.de solche Fragen lößt – nämlich mit kompletter Ignoranz – finde ich erschreckend.
Zum Schluss noch: Wenige Wochen später las ich mit einem breiten Schmunzeln auf F!XMBR einen Artikel, wie verwandt.de um sich werben muss. *Lese-Empfehlung*
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Ein manueller Trackback.
ps: Guter Artikel.